Über die Wichtigkeit die eigenen Strukturen zu kennen und zu schützen. Einen Versuch über die Eingrenzung der schützenswerten Strukturen und die Problematik von Hierarchien. Von Safety First!

Da aktive Fußballfans auch in Hannover nicht erst seit gestern Repressionen ausgesetzt sind, stellt sich natürlich mit der Zeit zwangsläufig die Frage, wie man sich am Besten vor repressiven Maßnahmen schützen kann.
Nun könnte man den Weg des geringsten Widerstandes und sich einfach aus dem Fußballumfeld zurückziehen oder einmal kurz im Fanshop vorbeischauen, dort sein Geld lassen und am nächsten Spieltag mit 20 Schals am Handgelenk und einem Bier in der Hand in bester Konsument_innenmanier das Spiel verfolgen, dass Leben wäre plötzlich um einiges einfacher (und stumpfer).
Diese Definition lässt es bereits erahnen, für uns sind Fußballfans nicht alle gleich, da sie es in Augen der Staatsmacht, Ordnungshüter und Vereinsoffiziellen eben auch nicht sind. Wir sind aktive Fußballfans, „sogenannte“ Fans oder ganz einfach Ultras.
Wir wollen damit nicht ausdrücken, wie cool wir doch sind und wie lahm doch alle anderen, es geht uns vielmehr darum deutlich zu machen, dass wir uns als Teil einer Struktur begreifen müssen um uns effektiv vor der Repression, den Vorurteilen und der Unwissenheit der Außenstehenden zu schützen.
Diese Außenstehenden sind allerdings nicht automatisch alle als „böse Menschen“ zu betrachten, sie haben lediglich einen anderen Blickwinkel auf das Leben, als wir es haben. Eure Familie und einige Freunde werden z.B. eine andere Meinung zum Thema Pyro haben als ihr, trotzdem könnt ihr euch ja mit ihnen und ihren Ansichten auseinandersetzen und sie respektieren.

Jede_r ist Teil unserer Struktur
Nun könnte sich euch die Frage aufdrängen: „Bin ich überhaupt Teil dieser Struktur?“ Hierzu ein ausdrückliches JA!
Wenn ihr diese Zeilen lest und euch konstruktiv mit den Inhalten beschäftigt seid ihr nach unserer Definition Teil der Struktur. (konstruktiv deshalb, da sich auch unsere SKB´s für diesen Text interessieren könnten.
Um Teil unserer Struktur zu sein müsst ihr nicht seit 10 Jahren zum Fußball fahren und schon 200 Auswärtsspiele mitgemacht haben, ihr müsst nicht einmal in einer Ultra´- oder Jugendgruppe organisiert sein. Wenn ihr euch im Umfeld einer dieser Gruppen befindet, werdet ihr automatisch Teil des Informationsflusses. Seien es Namen, Gruppengrößen, Abfahrtszeiten etc., es gibt keine unwichtigen Informationen! Dementsprechend tragt ihr aber auch eine gewisse Verantwortung, vorsichtig und sorgsam mit diesen Infos umzugehen, die unsere Struktur betreffen.

Auf der anderen Seite sind wir alle, mit wenigen Ausnahmen, gleichermaßen betroffen, bzw. bedroht von Repression und sollten uns somit auch immer solidarisch zeigen, unabhängig davon, ob nun das Opfer ein führendes Mitglied der Ultra´-Bewegung in Hannover oder ein_e neue_n, welche_r noch nicht so richtig bekannt in der Szene ist.
Realisiert man also, dass wir alle Teil einer Struktur sind, schafft dies zudem eine enorme Vertrauensbasis, da wir sozusagen alle im selben Boot sitzen.

Da wir uns nicht anmaßen wollen, dass die Mitglieder der Ultra´-Bewegung in Hannover die einzigen sind, welche bei Fußballspielen Repression ausgesetzt sind, haben wir um den „inneren Kreis“, der oben erläutert wurde, noch einen zweiten „äußeren Kreis“ gezogen, in dem alle anderen aktiven Fangruppen zusammengefasst sind.
Diese sind zwar direktes Ziel staatlicher Repression, allerdings sind auch sie repressiven Maßnahmen wie z.B. Videoüberwachung, Einlasskontrolle etc. ausgesetzt. Auch ihnen gilt zwar unsere Solidarität, jedoch sind die Einflussmöglichkeiten, welche wir auf diese Gruppe haben deutlich beschränkter und auf der anderen Seite mangelt es oftmals an Verständnis für unsere Aktionen. Somit fehlt momentan einfach die Vertrauensbasis für ein gemeinsames Vorgehen und aus diesem Grund betrachten wir diesen Personenkreis nicht als unmittelbaren Teil unserer Struktur.

Hierarchien
Unsere Gesellschaft ist durchzogen von hierarchischen Strukturen, die meist schon in jüngstem Alter gelernt werden und zumeist akzeptiert und hingenommen werden. Ob in der Schule, im Sportverein, im Berufsleben und zum Teil sogar in der Familie, überall lassen sich Hierarchien antreffen.
Lehrer_innen entscheiden über Noten und somit über das spätere Berufsleben, wo man auch nicht weit kommt, wenn man die übergeordnete Position des Vorgesetzten nicht anerkennt. Da wir uns ein Leben ohne Hierarchien nur schwer vorstellen können, scheint es nur natürlich zu sein, eben diese hierarchischen Strukturen auch beim Fußball anzutreffen.

Darum gehen uns Hierarchien etwas an
So weit, so einfach. Das Hierarchie auch bei 96 kein Fremdwort ist, sollte spätestens seit der Ära des über alles stehenden Präsidenten Martin Kind allen deutlich geworden sein. Nun gibt es Hierarchien bei Hannover 96 nicht nur in der Führungsetage, sondern auch an der Basis, in der Fanszene.
Gerne werden Hierarchien in der Fanszene an der Dauer, wie lange jemand in der Szene vertreten ist, oder am Alter festgemacht. Dies ist ja bekanntlich auch immer ein beliebter Kritikpunkt an der Ultra´-Szene. Sätze wie: „Ich fahre seit 30 Jahren zum Fußball und soll mir jetzt von 15jährigen vorschreiben lassen, was ich zu singen habe?!“, dürften dem geneigten Leser bekannt vorkommen. Ähnlich läuft es in der Ultra´-Szene ab, auch wenn hier die Zeiträume etwas kürzer ausfallen, die neuen Gesichter haben sich (leider in der Regel) zunächst einmal den Älteren unterzuordnen.
Hierarchien scheinen auch hier Sinn zu machen, so müssen Aktionen geplant, Absprachen getroffen und allgemeine Verantwortlichkeiten (z.B. Eintrittskarten, Busfahrten, Öffentlichkeitsarbeit etc.) geschaffen werden, um möglichst effizient zu agieren.
Doch werden diese Hierarchien über unsere Strukturen hinaus getragen oder sind sie für jede(n) zu erkennen, bringt dies auch Probleme mit sich. Denn wie schon beschrieben, Hierarchien lassen sich überall in dieser Gesellschaft finden und daher sind sie auch den Protagonist_innen staatlicher Repression nicht unbekannt. Diese Menschen versuchen nun seit einiger Zeit unsere Hierarchien zu (zer)stören, sozusagen der Schlange den Kopf abzuschlagen.
So kommt es dann vor, dass einzelne Personen für das sogenannte Fehlverhalten einer großen Gruppe zur Verantwortung gezogen werden, ohne überhaupt selbst beteiligt gewesen zu sein.

what to do
Es ist also bei allen Personen unserer Struktur erforderlich zu der Erkenntnis zu gelangen, dass jegliche Handlungen, welche dem Gesetz dieses Staates zu wider laufen, Konsequenzen auf unsere Strukturen haben, was allerdings im Umkehrschluss nicht bedeuten soll, dass wir euch davon abhalten wollen.
Doch wenn einem bewusst wird, dass man mit bestimmten Aktionen nicht nur sich in Gefahr bringt, sondern auch die Verantwortung für die Personen in seinem Umfeld trägt, wäre dies der erste Schritt hin zu einer verantwortungsbewussteren Struktur, in welcher Hierarchien abgebaut und Verantwortung auf viele Schultern verteilt werden könnten. Denn desto mehr Menschen unsere Strukturen aktiv gestalten, desto unabhängiger und schwerer auszurechnen wären wir und die staatliche Repression hätte es umso schwerer gegen uns zu agieren!