Eines der meist diskutierten Themen der letzten Jahre war bzw. ist Repression. Immer wieder gibt es neue Versuche sie einzudämmen oder sich zumindest davor zu schützen. Worüber da aber eigentlich geredet wurde, blieb oft unklar. Ein Versuch der Definition von der Gruppe Safety First! Mehr Sicherheit für Alle.

Sobald in einer Gesellschaft Regeln festgesetzt werden, gibt es Institutionen, die eben jene Umsetzen -bei Bedarf auch gegen den Willen von Einzelnen. Das ist der Ausgangspunkt jeder Repression. Unter Repression versteht man schon die Durchsetzung von für uns alltäglichen und akzeptierten Gesetzen (Strafverfolgung nach einem Mord, als anschaulichstes Beispiel). Diese Gesetze dienen dem Staat auch als Legitimation, für das von ihm beanspruchte Gewaltmonopol, welches dazu dient, die Macht des Staates zu schützen und das „öffentliche Interesse“ durchzusetzen. Vereinfacht kann man also festhalten, dass es in bislang jeder Gesellschaft dieser Welt zu irgendeiner Form von Repression kam.

Wie äußert sich Repression beim Fußball?
Repressionen sind in mehrere Ebenen eingeteilt. Zum einen kann Gewalt in verschiedener Form auftreten (bzw. angewandt werden), einmal auf physischer Art, z.B. in Form einer direkten Auseinandersetzung mit der Polizei, oder auf psychischer Art, z.B. durch Drohgebärden in Folge des martialischen Auftretens oder auf struktureller Ebene (z.B. Gesetze). Des weiteren gehen die Repressionen mit den wir uns beschäftigen von mehreren Institutionen aus: das sind Staat, DFB-DFL und die Vereine, bzw. dem eigens eingestellten Ordnungsdienst.

Die staatliche Repression beim Fußball wird in erster Linie von der Polizei ausgeübt, wobei die Polizei letztendlich auch bloß das aus ausführende Organ ist. Doch auch von anderen staatlichen Institutionen, wie der Staatsanwaltschaft haben Fußballfans in der Regel nichts Gutes zu erwarten. Die Maßnahmen staatlicher Repression sind breit gefächert. Zum einen wäre natürlich die immer präsente und oft angeprangerte Videoüberwachung zu nennen, welche die persönliche Freiheit natürlich stark einschränkt. Darüberhinaus sind auch präventive Platzverweise, Stadtverbote und Personalienkontrollen ein beliebtes Mittel der Polizei, um mit unliebsamen Fans fertig zu werden. Auch die sog. „Szenekundigen Beamten“ sind ein repressives Instrument der Polizei zur Informationsgewinnung und Abschreckung vor Straftaten. Diese oben genannten Methoden staatlicher Repression dienen vor allem der Prävention von tatsächlichen oder vermeintlichen Straftaten im Zusammenhang mit Fußballspielen. Doch staatliche Repression dient selbstverständlich nicht nur zur Abschreckung, sondern auch zur Verfolgung von möglichen Ordnungswidrigkeiten, bzw. Straftaten.

Bei diesen restriktiven Maßnahmen sind der Fantasie scheinbar keine Grenzen gesetzt, sie reichen von der Aufnahme in die Datei „Gewalttäter Sport“ und den daraus resultierenden, möglichen Gefährderansprachen oder Ausreiseverboten, bis hin zu Strafanzeigen.
Doch Repressionen beim Fußball gehen nicht nur von staatlicher Seite aus, auch die Vereine, bzw. der DFB- die DFL, setzen, dank ihres Hausrechts im Stadion, Regeln fest und üben somit auch Repression aus. Manifestieren tut sich dies zumeist in Verboten von Zaunfahnen, Schwenkfahnen, Pyrotechnik, oder ähnlichem. Die Vereine verfügen zudem auch über die für Fußballfans wohl am schlimmsten empfundene Maßnahme, nämlich das Recht, Stadionverbote auszusprechen.

Was soll das ganze?
Als aktive Fußballfans und insbesondere als Ultrás stellen wir in den Augen der Polizei und der Sportfunktionär_innen einen nicht zu berechnenden Mob dar und sind somit eine potenzielle Gefahrenquelle. Während es den staatlichen Organen vor allem um die Verhinderung von Ausschreitungen im Zusammenhang mit Fußballspielen geht, sehen die Funktionäre die kritischen Fans als äußerst unbequem an, da sie sich nicht in das ihnen vorschwebende Konzept des Produktes Fußball integrieren lassen und daher nach Möglichkeit eliminiert werden sollen. Dabei werden die Vereine wiederum auch von der Polizei unterstützt, um ihre Interessen durchzusetzen.
Um repressive Maßnahmen gegenüber Fußballfans auch der breiten Bevölkerung gegenüber zu rechtfertigen und sie sogar als wünschenswert erscheinen zu lassen, bedarf es einer guten Pressearbeit seitens der Polizei, bzw. den Vereinen. Auf diese Weise werden die Medien mit ins Boot geholt, die bekanntermaßen allzu gern reißerische Berichte von Ausschreitungen übernehmen und verbreiten. Die objektive Richtigkeit ist in der heutigen Medienlandschaft ohnehin nur noch sekundär und so haben die Vereine, bzw. die Polizei, auch dank unserer Faulheit, ein Meinungsmonopol geschaffen, womit sie ein wichtiges Ziel erreicht haben: die Spaltung der Fans in gute und böse Fans, in friedliebende und gewaltbereite Fans oder in wahre und sog. Fans.

Unsere Strukturen
Da es also gegenüber uns ein breites Maß an Repression gibt, besteht selbstverständlich auch das Bedürfnis der „anderen Seite“ an Informationen oder ähnlichem über die „Szene“ zu gelangen. Es ist dementsprechend wichtig, unsere Strukturen zu schützen! Wir haben nach intensiver Diskussion festgehalten, dass alle Fans bzw. Ultrás, die in einer Gruppe organisiert sind, oder sich im Dunstkreis einer solchen Gruppe bewegen zwangsläufig mit Informationen versorgt werden und damit als Teil der Struktur angesehen werden müssen. Dies bedeutet, dass er_sie geschützt werden muss, bzw. dass sich der_diejenige als Teil der Struktur begreift! Wir haben die zu schützende Struktur in zwei Kreise geteilt. In den inneren Kreis, in dem sich wie eben beschrieben alle Personen, die sich in den Ultrá-Gruppen und deren Dunstkreisen bewegen, gefasst sind. Diese sind nach unseren Vorstellungen stark beeinflussbar (beeinflussbar im Sinne davon, an wen sie ihre Informationen weitergeben, bzw. an wen nicht). Der zweite Kreis besteht aus jenen Personen, die sich in anderen Fanclubs und beispielsweise in der Roten Kurve befinden, welche wir als nur geringfügig beeinflussbar verstehen, wenn es um den Informationsfluss geht. Folgerichtig muss auch der Informationsfluss des inneren Kreises in gewissem Maße vor dem äußeren geschützt werden.

Schützenswert sind alle Informationen über Personen, welche sich in der aktiven Fan/Ultrá-Szene bewegen. Vom Namen, über den Beruf und den Wohnort, bis hin zu den Aufgaben, Welche er_sie für die jeweilige Gruppe übernimmt. Natürlich sind auch alle Daten einer Gruppe Schützenswert. Desweiteren können auch einfache Informationen, wie die Größe der Gruppe, der Staatsmacht in die Hände spielen (wobei wir dann auch bei dem „vor wem“ wären). Es gibt keine unwichtigen und uninteressanten Infos. Die „Szenekundigen Beamten“ sammeln alles was ihnen zugespielt wird, um daraus Gruppendynamiken zu erkennen oder sog. „Rädelsführer_innen“ festzumachen. Wir haben festgestellt, dass selbst aus banalen Infos „sie“ ihre Schlüsse ziehen, um uns unter Umständen das Leben damit noch schwerer zu machen.