Die Basis der Regelungen im Stadion bildet vor allem die Stadionordnung. Zur Durchsetzung dieser ist der Ordnungsdienst eingesetzt. Der versucht – und dies in der Regel erfolgreich- diese durchzusetzen. Sonst wird die Polizei hin zu gezogen. Wie das genau läuft versucht Safety First! nach zu zeichnen.

Im Stadion selber liegt die Aufgabe für unsere „Sicherheit“ zu sorgen in erster Linie in den Händen von privaten, von den gastgebenden Vereinen beauftragten Sicherheitsdiensten. Die Polizei, welche besser ausgebildet und waffentechnisch besser ausgerüstet und mit modernen Schutzanzügen bekleidet ist, soll in der Regel nur in „Notfällen“ eingreifen, d.h. vor allem dann wenn es zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt. Dass z.B. teilweise Hooligans in den Ordnungsdiensten arbeiten, da sich in dieser Stellung oft Gelegenheiten bieten sich mit dem Gästeanhang zu messen, ist kein Geheimnis, soll aber auch nicht Thema an dieser Stelle sein (auch wenn sich genügend Beispiele von arrogantem bis brutalem Auftreten der privaten Ordnungsdienste finden lassen würden).
An dieser Stelle soll vielmehr über die Arbeit der privaten Sicherheitsdienste aufgeklärt werden, nicht mit der Absicht, z.B. die Entgleisungen eines „Macho-Ordners“, sondern das Prinzip der als „Sicherheit“ proklamierten gewaltsamen Interessensdurchsetzung der Vereine kritisch zu hinterfragen.

Hintergründe
Seit den 1970ern gibt es in den kapitalistisch organisierten Ländern wie der Bundesrepublik Deutschland einen verstärkten Drang zu Privatisierungen. Das heißt, dass vormals öffentliche Güter und Dienstleistungen an private, gewinnorientierte Unternehmen verkauft und der marktwirtschaftlichen Verwertung unterworfen werden. Davon ist seit den 1990er Jahren auch der Aspekt „Sicherheit“ nicht ausgenommen, in Innenstädten, an Bahnhöfen, in Fußballstadien und an vielen anderen Orten sind vermehrt private Sicherheitskräfte anzutreffen. Selbst vor militärischen Handlungen schreckt die „Sicherheitsindustrie“ nicht zurück (paramilitärische Söldner_innentruppen).
Der Vorteil, welchen sich die Nutzer_innen von privaten Sicherheitsdiensten versprechen, ist vor allem eine professionelle und genaue Konzentration des Wachpersonals auf die Interessen der Auftraggeber_innen.

Ordnungsdienst bei Heimspielen

Auch wenn es ab und an Stress gibt, weil dein Verein keinen Gefallen an einem kritischen Spruchband o.ä. findet: Als organisierte Fans ist man mit dem heimischen Ordnungsdienst oftmals recht vertraut, die meisten Szenen haben sich gewisse Freiräume (z.B. weniger Zaunfahnen- oder Doppelhalterverbote) erarbeitet und da man sich vielerorts längst von den Träumereien von Pyroshows in der eigenen Kurve in absehbarer Zeit verabschiedet hat und auch die Ordnungsdienste nicht mehr damit rechnen, ist die Behandlung durch die Ordner_innen im eigenen Stadion im Vergleich zu Auswärtsspielen deutlich entspannter. Sowohl was die Einlasskontrollen angeht als auch was den persönlichen Umgang miteinander betrifft; Schließlich ist klar, dass man sich in zwei Wochen wiedersieht.

Ordnungsdienst bei Auswärtsspielen

Was bei Heimspielen die Ausnahme ist, ist bei Auswärtsspielen leider die Regel: Ärger mit dem Ordnungsdienst! Denn zu den oft unerträglichen und untragbaren Verboten, welche von Seiten der Fans – was in der Natur der Sache liegt – natürlich zu umgehen versucht werden, kommt die Tatsache, dass die schlagkräftigsten und aggressivsten Mitarbeiter_innen der Sicherheitsdienste (welche dieses Klientel als „erfahren“ titulieren) fast immer mit der „Betreuung“ des Gästeanhangs beauftragt werden. Auch wenn schon verschiedene Scheinalternativen wie beispielsweise dezente Kleidung der Ordner_innen statt Neonwesten oder auch mitreisende Ordnungskräfte des Gastvereins probiert wurden/werden (welche zum Abbau von Aggressionen beitragen sollten/sollen) ist das Bild bei Auswärtsspielen nach wie vor von übermotivierten Sicherheitskräften geprägt, welche zum Teil ihre Aufgabe, zum Teil aber auch einfach nur sich selbst viel zu ernst nehmen.
Schlimmstenfalls tragen sie also selber zur Entstehung von Auseinandersetzungen bei und freuen sich „wenn mal was los ist“, „bestenfalls“ setzen sie „nur“ die Regeln um, welche uns in der freien Ausübung unseres Fanseins einschränken.

Rechte und Pflichten der privaten Sicherheitsdienste
Erfahrungen und Erkenntnisse, wie sie in den vorigen Kapiteln beschrieben sind, werden wohl den meisten Leser_innen zum Großteil geläufig sein, die Lektüre dieses Kapitels dagegen könnte einigen einige neue Erkenntnisse bringen. Also aufgepasst!
Nach dem Prinzip der Gewerbefreiheit darf jede_r jedes Gewerbe ausüben, unter anderem das so genannte „Bewachungsgewerbe“ ist allerdings ein davon ausgenommenes erlaubnisbedürftiges Gewerbe. Die Bedingungen und Einschränkungen finden sich im Gewerberecht. Dort findet sich u.a. der Punkt Bewachungsgewerbe, demzufolge Wachpersonal zum Ausüben seiner Tätigkeit eine behördliche Erlaubnis benötigt. Der_die Bewerber_in müsse u.a. zuverlässig und mit den rechtlichen Vorschriften vertraut sein. In der Bewachungsverordnung steht „dass die Wachperson nicht die Eigenschaft und die Befugnisse von Polizeibeamt, eines Hilfspolizeibeamten oder eines sonstigen Bediensteten einer Behörde besitzt“. So dürfen Mitarbeiter_innen von privaten Sicherheitsdiensten z.B. keine Personalien aufnehmen, allerdings sind sie (wie auch jede_r Andere) befugt, jemanden, der bei einer Straftat auf frischer Tat ertappt wurde, bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten, wenn das zur Aufklärung der Straftat erforderlich ist. Zum Führen von Waffen während des Dienstes benötigen Wachpersonen die Zustimmung des Arbeitgebers und jeder Gebrauch dieser Waffen muss unverzüglich der Polizei und dem Gewerbetreibenden angezeigt werden.
Des weiteren haben private Sicherheitsdienste „nur“ die selben Rechte wie wir (Notwehr, Notstand und Selbsthilfe) und die vertraglich übertragenen Selbsthilferechte.

Was hat es mit diesen „Selbsthilferechten“ auf sich?
Hierbei geht es um die Durchsetzung des Hausrechts. Der gastgebende Verein ist zumindest an Spieltagen der Besitzer (nicht verwechseln mit „Eigentümer“) des Stadions. Wer gegen die Hausordnung verstößt „stört den Verein im Besitze“ und handelt damit widerrechtlich. Dagegen ist der Verein rechtlich befugt sich zu wehren. In der Realität geschieht dies beim Fußball durch den sogenannten Besitzdiener, d.h. den privaten, in Auftrag gegebenen Ordnungsdienst.

Soviel zur Theorie.
In der Praxis werden erfahrungsgemäß auch Personen in Sicherheitsdiensten eingestellt, welche offensichtlich nicht dazu geeignet sind. Ähnlich verhält es sich mit dem im Bürgerlichen Gesetzbuch festgeschriebenen „Verbot der Rechtsausübung“: „Die Ausübung eines Rechtes ist unzulässig, wenn sie nur den Zweck haben kann, einem anderen Schaden zuzufügen.“
In der Praxis hilft das leider wenig, denn selbst in Gästeblöcken, in denen kein Fluchttor – oder, noch viel schlimmer, gar eine Werbebande (!) – überhängt werden würde sind manchmal Zaunfahnen verboten, um mal ein Beispiel zu nennen. Allerdings gibt es praktikablere und aussichtsreichere Methoden als eine Diskussion mit den Ordnern vor dem Block, um das „Verbot der Rechtsausübung“ umzusetzen…

Eine bessere Welt ist möglich
Konstruktive Kritik kann nicht in der Analyse und der defensiven Kritik verharren, sondern sie muss Alternativen aufzeigen. Die zu den derzeitigen privaten Sicherheitsdiensten kann unserer Meinung nach natürlich weder der ausführende Arm der Staatsgewalt noch ein perfekt geschulter, die „Deeskalationstaktik“ perfekt umsetzender und von „Willkür“ freier privater Sicherheitsdienst sein. Nein, die einzige ernsthafte Alternative ist und bleibt die viel zitierte Kurvenautonomie. Wir, die Fans, haben selber zu bestimmen was erlaubt ist und was nicht, und wir haben dementsprechend auch selbst gegen Fehlverhalten innerhalb unserer Gruppe/Kurve vorzugehen. Das erfordert natürlich sowohl ein selbstkritisches, reflektiertes und rücksichtsvolles Verhalten von Allen als auch eine gefestigte Struktur innerhalb der Szene.