Ein kleiner Überblick über verschiedene Ansätze im Umgang mit Repression beim Fußball.
In diesem Text soll einmal beleuchtet werden, was für Gruppen oder Organisationen es in Deutschland gibt, welche sich mit dem Thema Repressionen auseinandersetzen. Die folgende Auflistung stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern möchte bloß einen Überblick über die bekanntesten Projekte hier zu Lande liefern.

B.A.F.F.
Das Bündnis Aktiver Fußball-Fans (BAFF) ist ein seit 1993 bestehender vereinsübergreifender Zusammenschluss von über 200 Einzelmitgliedern und vielen Faninstitutionen (Inis, Mags, Projekte, Fanclubs, etc.). BAFF ist Teil des europäischen Netzwerks FARE (Football Against Racism in Europe), deren Fangruppen u.a. die „Mondiali Antirazzisti“ in Italien oder die englische Video-Aktion „Show Racism the Red Card“ organisieren.
Das Bündnis setzt sich gegen jegliche Form von Diskriminierung ein und thematisiert die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs mit all ihren negativen Begleiterscheinungen. In diesem Zuge hat sich auch die staatliche Repression als ein Themenfeld von B.A.F.F. entwickelt. Obwohl das Hauptaugenmerk von B.A.F.F. dem Kampf gegen Diskriminierung gilt, rückte das Thema Repression in den letzten Jahren auch vermehrt in den Blickpunkt, so wird zum Beispiel seit 2004 der sogenannte „goldene Schlagstock“ vergeben, der nun regelmäßig an besonders auffällig gewordene Einheiten von Polizei und Ordnungsdienst verliehen wird.
http://www.aktive-fans.de/

Pro Fans
Pro Fans ist der größte deutsche Zusammenschluss von Fans und Fangruppierungen zur Wahrung und Vertretung von Faninteressen. Der Zusammenschluss entstand aus den Protestbewegungen zur Spieltagszerstückelung Anfang des Jahrtausends, bekannt unter „Pro 15:30“. Pro Fans beschäftigt sich mit unter anderem auch mit Repressionen und arbeitet dabei auch eng mit dem Fanrechtefonds zusammen. Pro Fans möchte dabei vor allem auf die Unrechtmäßigkeit verschiedener polizeilicher Methoden aufmerksam machen und diese dementsprechend skandalisieren. Ebenfalls stellte Pro Fans vor den letzten beiden Bundestagswahlen einen Fragenkatalog an die Bundestagsparteien zusammen, welcher sich mit Fanrechten beschäftigte, um den Fans ein Bild zu vermitteln, welche Partei bereit ist, sich auch für ihre Rechte einzusetzen.
http://www.pro1530.de/

Fanrechtefonds
Der Fanrechtefonds unterstützt Fans, welche im Zusammenhang mit Fußballspielen Unrechtmäßigkeiten seitens der Polizei oder des Ordnungsdienstes erleiden müssen und dagegen rechtlich vorgehen wollen. Das Projekt wird getragen von zahlreichen deutschen Fanclubs und Fangruppen, von den beiden überregionalen Fanorganisationen BAFF und PRO FANS sowie von vielen Einzelpersonen. Ein aus fünf Fans verschiedener Vereine bestehender Kassenrat entscheidet im Einklang mit der Satzung des Treuhandkontos über die Verwendung der Spenden. Zwei Anwälte verwalten das Geld und überwachen die satzungsgemäße Nutzung.
Ein sehr bekannter Fall, welcher nur durch die Unterstützung des Fanrechtefonds möglich wurde, ist sicherlich der, eines jungen Mannes aus Hannover, welcher gegen seine Eintragung in der Datei „Gewalttäter Sport“ klagte. Diese Datei wird ohne rechtliche Grundlage von der ZIS (Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze) betrieben, sodass Eintragungen in die Datei und Umgang mit persönlichen Daten völlig willkürlich geschieht. Der Klage wurde bisher durch alle Instanzen stattgegeben, ein endgültiger Beschluss vom Bundesgerichtshof steht jedoch noch aus.
http://www.fanrechtefonds.de/

Fansmedia
Das Projekt entstand 2008 mit dem Ziel, den Fans Bundesweit ein eigenes Sprachrohr zu geben, mit welchem sie eigene Darstellungen von Polizeieinsätzen, Verboten, oder ähnlichen Repressalien wiedergeben können. Geplant war, durch seriös verfasste Artikel auf der Internetplattform www.fansmedia.org für die Presse eine Alternative zu einseitig verfassten Polizeiberichten zu liefern. Nach anfänglichen noch großer Begeisterung, stellte sich jedoch bald Ernüchterung ein, da sich die erhoffte Resonanz innerhalb der Medienlandschaft leider nicht einstellte. Somit ging offenbar auch das Interesse der beteiligten Gruppen an Fansmedia immer weiter zurück, sodass mittlerweile nur noch recht wenige Artikel online gestellt werden. Die Möglichkeit an einer Beteiligung besteht jedoch nach wie vor und auf der Internetplattform von Fansmedia finden sich auch die Ansprechpartner_innen für die jeweiligen Städte, sodass auch Einzelpersonen die Möglichkeit haben, Artikel zu verfassen, sollten ihnen Ungerechtigkeiten im Zusammenhang mit Fußballspielen .
http://www.fansmedia.org/

Fußballfans beobachten Polizei
Anfang 2006 gründeten Fans vom SV Babelsberg 03 diese Initiative, deren Idee es ist, Spiele und vor allem Auswärtsfahrten durch Rechtsanwälte begleiten zu lassen, um die Rechtmäßigkeit von Polizeieinsätzen zu überprüfen. Dabei gehen die Initiator_innen dieser Kampagne von der These aus, dass erst die massive Polizeipräsenz und das unverhältnismäßige, und zum Teil auch rechtswidrige, Verhalten der Einsatzkräfte einen großen Teil der Gewalt von Seiten der Fußballfans provoziert. Demnach würden Polizist_innen Fußballfans generell als Gewaltbereit einstufen und ihnen auch dementsprechend begegnen, was wiederum Unverständnis und Wut bei den Fans über die restriktiven Maßnahmen seitens der Polizei hervorruft. Somit seien Konflikte zwischen Fans und Polizei praktisch nicht zu vermeiden. Die Initiative wird mittlerweile von verschiedenen Gruppen und Institutionen, wie zum Beispiel Fanprojekten, unterstützt. In letzter Zeit wurde es etwas ruhiger um die Kampagne, die vor zwei bis drei Jahren noch regelmäßig überregional für Schlagzeilen sorgte.
http://www.fussballfans-beobachten-polizei.de/